Österreich hat als erstes westeuropäisches Land schon vor mehr als 40 Jahren einen langfristigen Gasbezugsvertrag mit Russland geschlossen. Dadurch konnte sich Österreich als Erdgas-Drehscheibe der EU positionieren. Außerdem ist Österreich heute federführend bei der Planung zusätzlicher Erdgas-Logistik-Projekte. So ist die Versorgungssicherung fest in österreichischer Hand.
Die OMV war gemeinsam mit den Landesgasgesellschaften 1968 das erste Unternehmen Westeuropas, das mit der russischen Gazprom, einem der wichtigsten Gasproduzenten der Welt, einen langfristigen, zukunftssicheren Gasbezugsvertrag geschlossen hat. Kontinuierliche Lieferungen versorgen seither nicht nur Österreich zuverlässig, sondern auch weite Teile Europas.
Insgesamt lieferte Gazprom in den letzten 40 Jahren über 150 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas nach Österreich. Die Gastransitmenge betrug in all den Jahren rund 550 Milliarden Kubikmeter. Etwa ein Drittel aller russi-
schen Erdgasexporte nach Westeuropa läuft durch das österreichische Transitleitungssystem. Die Lieferausfälle durch den russisch-ukrainischen Gasstreit Anfang Jänner waren die einzige Ausnahme in vier Jahrzehnten, die aber von den österreichischen Energieversorgern dank heimischer Erdgas-
Förderung und großer Erdgasspeicher mühelos kompensiert werden konnten. Weiters hat Österreich durch seine exzellenten Kontakte entscheidend zum Krisenmanagement beitragen können.

Neue Wege für russisches Erdgas
Sowohl den heimischen Energieversorgern als auch der Gazprom liegt daran, alternative Vertriebswege für das russische Erdgas zu erschließen, unabhängig von der Ukraine. Russland ist der Staat mit den größten Erdgas-
Vorkommen der Welt, die eine wichtige Einnahmequelle für das Land darstellen. Daher forciert die Gazprom nun den Bau zweier zusätzlicher Pipe-
lines zur Versorgung Europas: die „North Stream“ durch die Ostsee und die „South Stream“ über den Balkan.

Nabucco: Europäische Mega-Pipeline
Mit starker österreichischer Beteiligung durch die OMV plant Europa unterdessen konkret den Bau der neuen Mega-Pipeline Nabucco. Mit dieser 3.300 Kilometer langen Leitung werden die reichen Erdgas-Vorkommen aus dem Kaspischen Raum bis nach Österreich transportiert werden. Die acht Milliarden Euro für den Bau werden teilweise aus EU-Mitteln fnanziert.
In den Ländern des Mittleren Ostens lagern insgesamt sogar noch größere Erdgas-Vorkommen als in Russland. Drehscheibe für dieses Erdgas aus dem Kaspischen Raum wird dann Österreich sein. Über den Gastransitknoten
Baumgarten wird das Erdgas nach ganz Europa weiterverteilt werden, wodurch Österreich seine Vorrangsstellung in der Versorgungssicherung noch weiter ausbauen wird. Gerade auch wegen dieser Verantwortung investieren
Österreich und seine Energieversorger massiv in die Infrastruktur. Neben der Mega-Pipeline Nabucco wird intensiv am Ausbau des europäischen Gasnetzes geplant. Ein Beispiel dafür ist die Tauerngasleitung (TGL), die
Kroatien, Slowenien, Italien, Deutschland und Österreichverbinden soll.
Flüssig – aber sicher!
Eine sinnvolle Ergänzung zu Pipeline-Erdgas stellt LNG (Liquefed Natural Gas), also verflüssigtes Erdgas, dar. In flüssiger Form kann Erdgas problemlos in Tankschiffen auf dem Seeweg über große Distanzen transportiert werden. Am Ankunftshafen wird das Erdgas dann wieder in die Pipelines eingespeist und
so auf dem Landweg weitertransportiert. Auch für die Versorgung mit LNG haben die heimischen Energieversorger die Weichen durch Technologie-Investitionen und vorausschauende Verträge bereits gestellt.


